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Lamya Kaddor, Rabeya Müller, Harry Harun Behr
Saphir 5/6 Religionsbuch für junge Musliminnen und Muslime
hg. von Lamya Kaddor, Rabeya Müller und Harry Harun Behr
Erscheinungstermin: 27.08.2008
 
Der Band ist in Bayern, Bremen, NRW und Niedersachsen lernmittelfrei zugelassen. Die Zulassungsnr. Lautet für Bayern: 167/08 -V/R/G v. 16.07.08, für Niedersachsen: 16.682/09

Saphir ist die erste deutschsprachige Unterrichtsreihe für Islamkunde bzw. Islamunterricht an Schulen in Deutschland. Saphir 5/6 informiert über den islamischen Glauben und seine Praxis in Deutschland. Dadurch fördert es die Beheimatung der jungen Musliminnen und Muslime in der Schule und ihre Integration in Deutschland.

Eine Link-Liste zum Medien-Echo finden Sie hier.

2009 wurde Saphir 5/6 mit dem Ehrenpreis des BEST EUROPEAN SCHOOLNOOK AWARD ausgezeichnet. [mehr]  
 
2008, 196 Seiten, Kt | kartoniert (Book - softback)
ISBN: 9783466507825
 
EUR 14,95
SFR 27,50  
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Rezensionen zu diesem Titel:

Jörgen Nieland, für zeitzeichen - Evangelische Kommentare zu Religion und Gesellschaft 10 (2009) Heft 1

Es lohnt sich, über den Kreis von Schülerinnen und Schüler sowie Lehrerinnen und Lehrer hinaus ein Unterrichtswerk wahrzunehmen und zu würdigen. Denn Saphir, dieses Lehrbuch für islamischen Religionsunterricht in deutscher Sprache, besticht durch ästhetische Gestaltung, die didaktische Konzeption und hoffentlich auch die politischen Wirkung.
Überzeugend und eindrücklich sind die kalligrafischen Gestaltungen der Koranverse, mit denen jedes der 15 Kapitel beginnt, vor allem auch in der Kombination des arabischen Textes, der Übersetzung und der Zuspitzung in einem Leitsatz für das jeweilige Thema. Der Kösel-Verlag hat darüber hinaus mit Bildmaterial und wechselnden Gestaltungselementen nicht gespart, die stufengemäße Anschaulichkeit und zum selbstständigen Arbeiten führende Motivation zu sichern. Das Buch macht Lust auf Religion, führt zur Freude an Religion und zum Umgang mit Religion: als Lehrbuch für den islamischen Religionsunterricht in deutscher Sprache, aber auch mit behutsamer Hinführung zu Elementen des Arabischen in Bild, zentralen Begriffen und Suren sowie Gebeten.
Das didaktische Konzept entspricht überzeugend dem Standard heutiger Religionspädagogik in Deutschland und wird damit dem Anspruch eines ordentlichen Lehrfaches im Kontext aller Fächer und dem umfassenden Verständnis von Bildung gerecht.
Jedes Kapitel stellt nach dem manchmal sehr anspruchsvollen und abstrakten Einstieg die Verbindung zur Lebenswelt und den Erfahrungen der Schülerinnen und Schüler sehr eindrücklich und anschaulich her. Die unterschiedlichen Anstöße mit Bildern, Arbeitsanweisungen, Fragen und Berichten erschließen hervorragend die Thematik und beziehen die Schülerinnen und Schüler auch mit ihren Empfindungen, Einstellungen und Fragen ein. Mit einem weiteren, meist narrativen Element erfolgen dann Vertiefung und Verknüpfung mit Tradition und Glaubenswirklichkeit, verbunden mit Arbeitsanweisungen und Anstößen, die einen Lernprozess in vielfältigen Arbeitsformen in Gang setzen. Den Kapitelabschluss bildet ein Ausklang, der das Gelernte bündelt, akzentuiert oder auf einer anderen Ebene reflektiert. Dies geschieht durch ein Lied, ein Gedicht, ein Bild, eine Sure, eine Aufgabe oder eine Frage.
Die Schülerinnen und Schüler haben damit ein schönes Buch in der Hand, aber das Buch braucht auch die begleitende Lehrerin oder den Lehrer. Das kundige Team der MitarbeiteInnen hat überzeugend und sehr variabel die Kapitel nach dem beschriebenen Konzept gestaltet. Dabei ist sehr verständlich, dass bei dem ersten von drei Bänden für Klasse 5 bis 10 schon gleich etwas viel von Inhalten und Aspekten, von Grundlagen und Handlungskonsequenzen angesprochen und aufgenommen worden ist. Sehr hilfreich ist das Lexikon am Ende des Buches zu den wichtigsten Begriffen; hier gelingt die Verknüpfung, Vertiefung und Weiterführung.
Worin bestehen die Chancen für die gesellschaftliche und politische Bedeutung und Wirkung?
Das Buch fördert den Dialog der Religionen, denn es vermittelt Sensibilität für die anderen, fördert Wahrnehmen und Akzeptanz. Symbole, Texte, Gestalten und Fragen der anderen Religionen werden einbezogen, das Gemeinsame wird herausgestellt, ohne Unterschiede zu verwischen. So wird durchgehend von Gott geredet, das Islam-Spezifische wird dabei jeweils hinter dem Wort „Gott“ durch das hochgestellte arabische Zeichen „gepriesen und erhaben ist ER“ herausgestellt. Muhammad wird im Kreis anderer Propheten dargestellt, Beispiele verantwortlichen Handelns aus Glaubensüberzeugungen oder von religiösen Institutionen werden benannt, die Gebote und Weisungen werden im Kontext der Tora, der Menschenrechte und des Grundgesetzes behandelt, und das Verständnis wie die Praxis des Betens bei allen Religionen wird angesprochen.
Damit setzt das Buch Impulse und liefert Material für die Zusammenarbeit der Religionslehrer wie für Gespräche mit den Eltern und den Austausch des Schülerinnen und Schüler über die Religionsgruppen hinaus.
Das Buch fördert die Integration dadurch, dass sehr ausführlich die Lebenssituation der Schülerinnen und Schüler und dabei vor allem der Migrationshintergrund thematisiert wird und Impulse zum Zusammenleben gegeben und thematisiert werden.
So wirbt das Buch um Verständnis und gibt Hilfen, informiert und argumentiert; es sollte deshalb Leser finden über den Kreis der angesprochenen Lehrer und Schüler hinaus.
Das Buch könnte in der seit Jahrzehnten geführten Diskussion um den islamischen Religionsunterricht neue Impulse setzen und vielleicht einen endgültigen Durchbruch bringen. Denn in vier Bundesländern ist das Buch für den Gebrauch in den Schulen genehmigt. So auch in Nordrhein Westfalen für die Islamkunde, die noch nicht islamischer Religionsunterricht in Übereinstimmung mit der Religionsgemeinschaft ist.
Könnte nicht dieses vom Staat schon genehmigte Buch auch für die islamischen Verbände der Anstoß sein, nach sorgfältiger interner Werbung und Diskussion mit allen Moscheevereinen, muslimischen Elternverbänden und den nicht-organisierten Muslimen zu erklären, dass eine große Mehrheit der Muslime einem islamischen Religionsunterricht in deutscher Sprache, dem Konzept dieses Lehrbuchs entsprechend, mit dieser Arbeitsweise und Zielsetzung sowie mit diesen Materialien zustimmt, diesen Unterricht will und mittragen möchte?
So könnte Saphir für Schülerinnen und Schüler, für Lehrerinnen und Lehrer, aber auch für die Integration, den Dialog und die Gestaltung der Gesellschaft ein Edelstein sein.


Manfred Spieß, rpi virtuell, 30. November 2008, Das Interview wurde am 18. Oktober 2008 auf der Frankfurter Buchmesse geführt. Den Autorinnen danke ich sehr für dieses Gespräch.

Rabeya Müller als Mitherausgeberin und Myesser Ildem als Mitautorin beantworten Dr. Manfred Spieß Fragen zum neuen Schulbuch Saphir 5/6

Beschreiben Sie bitte Ihre Gedanken und Empfindungen in der Situation, als das fertige Buch Saphir erstmals vor Ihnen lag!

Es war ein Glücksgefühl, für die muslimischen Kinder etwas erarbeitet zu haben, das ihnen ein Stück weit das Gefühl vermittelt, dass sie und damit auch ihre Religion in der Schule angekommen sind. Und etwas erarbeitet zu haben, was in der Schule einen berechtigten Platz einnimmt. Glücklich macht uns die Einschätzung, das Optimum dessen, was momentan machbar ist, erreicht zu haben.

Konnten Sie bei der thematischen Auswahl auf bereits vorfindliche Lehrpläne für Islamunterricht zurückgreifen?

Das mussten wir sogar. Dieses Schulbuch ist nach den vorhandenen Lehrplänen, die bereits genehmigt worden sind, entstanden. So wurde aus den bestehenden Lehrplänen, speziell für die Bundesländer Niedersachsen, NRW und Bayern, eine Synopse erstellt, daraus wurden dann Themenkomplexe gebildet und darauf geachtet, dass alle Themen aufgegriffen und bearbeitet wurden.

Man kann es ja nie allen recht machen … Gab es schwierige Diskussionspunkte, was den inhaltlichen Konsens über das Schulbuch betrifft?

Die hauptsächliche Herausforderung bestand wohl darin, ein Buch zu entwickeln, das sowohl im Unterricht nach § 7,3 GG, also konfessionell gebunden, als auch in Islamkunde einsetzbar ist. Um sowohl der konfessionell orientierten Aufgabe als auch der religionskundlichen Aufgabe gerecht zu werden, war manchmal ein schwieriger Spagat nötig. Hier mussten erhebliche Kompromisse eingegangen werden, was nicht immer leicht fiel.

Religionspädagogik hat die Aufgabe, die Dinge des Glaubens und die Erfahrungen in der Lebenswelt didaktisch fruchtbar zusammenzubringen. An welchen Stellen im Saphir war das eine besondere Herausforderung?

Einmal an den Stellen, die den Kindern in sehr traditioneller Form schon vielfach vermittelt worden sind. Denn hier sind nicht nur neue didaktische Mittel eingesetzt worden, sondern es soll auch zum Reflektieren angeregt werden. Und auch das war eine Herausforderung, Bekanntes nicht als selbstverständlich darzustellen, Nachfragen herauszufordern und dadurch vertiefendes Lernen zu provozieren. Deshalb haben wir die „fünf Säulen“ mit dem Symbol der Hand verbunden, um hier vertieftes Nachdenken zu ermöglichen.

Saphir wirkt auch stark durch das vielseitige Bildmaterial. Welche didaktische Funktion haben die Bilder und Zeichnungen?

Gerade das Bildmaterial soll die bereits verbal dargestellten Themenkomplexe vertiefen und eigene Lernideen initiieren. Die Bilder sind auch so gewählt, dass sie einen korrelativen Charakter im Gesamtkapitel haben. Sie sind genauso Erabeitungsmaterial wie Texte. Auch Schülerinnen und Schüler, die textlich noch nicht so versiert sind, können sich so einen Zugang zum jeweiligen Kapitel verschaffen.

Es fällt auf, dass Saphir nicht explizit Bildungskompetenzen den Kapiteln zuschreibt, wie es neuerdings bei Schulbüchern Mode ist. Gab es Gründe, einen anderen Ansatz zu wählen?

Bildungsstandards wurden für den Islamischen Unterricht noch nicht fixiert. Aber die Orientierung an Standards und Kompetenzen zieht sich durch alle Kapitel hindurch. Der Unterricht mit Saphir soll die Schülerinnen und Schüler vor allem sprachfähig in der eigenen Religion werden lassen und sie darüberhinaus zum interreligiösen Dialog befähigen.

Welche inhaltlichen und unterrichtlichen Verknüpfungen gibt es zum christlichen Religionsunterricht?

Viele. Gerade auf der thematischen Ebene lassen sich in der entsprechenden Jahrgangsstufe, hier 5/6, viele Parallelen feststellen, die es ermöglichen, gemeinsame Projektarbeiten anzugehen. Wir haben an vielen Stellen Brücken der religiösen Begegnung einbezogen. Bei den Inhalten aus der christlichen bzw. der jüdischen Religion haben wir jeweils authentische Vertreter und Vertreterinnen dieser Religionen zu Rate gezogen.

Liegen bereits erste Rückmeldungen aus den Schulen über den Einsatz des Buches vor?

Leider konnte das Buch erst nach dem Schulanfang in NRW erscheinen, sodass sich die Schulbuchkonferenzen erst jetzt mit der eventuellen Einführung des Buches befassen können. Es gibt allerdings immer mehr Lehrerinnen und Lehrer, auch in den anderen Bundesländern, die Saphir genehmigt haben (nämlich Niedersachsen, Bayern und Bremen), die das Buch dankbar annehmen und es einsetzen. Bisher waren alle Rückmeldungen seitens der Lehrerinnen und Lehrer, aber auch seitens der Schülerinnen und Schüler durchweg positiv. Die muslimischen Kinder sind stolz und dankbar; sie empfinden das Buch als „für uns“ und „von uns“. Auch von Elternseite gibt es positive Rückmeldungen.

Nennen Sie uns bitte einige kleine Schmuckstücke, die Sie im Buch Saphir versteckt haben, auf deren Entdeckung durch Kinder Sie besonders gespannt sind!

Nun, da wäre z.B. die Erarbeitung der „fünf Säulen“ in der symbolträchtigen Form der Hand, die nicht auf den ersten Blick, nicht unmittelbar zu erkennen sind. Zunächst muss über die Thematik nachgedacht werden, sie wird jeweils in einen unmittelbaren Gottesbezug gesetzt und bringt so einen, für die Schülerinnen und Schüler oft völlig neuen Aspekt mit hinein. Wir haben auch Abbildungen aus der Kunst und Texte der Literatur in das Buch eingearbeitet. Entdecken Sie die Schmuckstücke selbst!

Wenn Sie zwei Wünsche für die Zukunft des Projektes Saphir frei hätten, dann wären das …?

Dass möglichst viele Kinder damit einen intensiven Zugang zu ihrer eigenen Religion bekommen, einen lebbaren Islam erlernen. Sie sollen ihre eigene religiöse Identität stärken und gerade dadurch interreligiös sprach- und handlungsfähig werden. Für die weitere Umsetzung des Projektes SAPHIR wünschen wir, dass die bürokratischen Hürden in den Bundesländern leichter zu bewältigen sind, und dass diese religionspädagogische Grundlagenarbeit nicht in den Mühlen des politischen Kalküls kleingemahlen wird.
Wir hoffen, dass die Fortsetzungsbände Saphir 7/8 und Saphir 9/10, an den wir derzeit intensiv arbeiten, eine Hilfestellung für jugendliche Schülerinnen und Schüler muslimischen Glaubens, aber auch für am Islam Interessierte insgesamt bieten.


Detlef Rüsch, freier Journalist, 25.10.08

Dieses Pionierwerk für einen islamischen Religionsunterricht ist sehr ansprechend gestaltet und vermag jungen Musliminnen und Muslimen den Islam wirklich näher zu bringen. Schön ist es, dass hier die deutsche und arabische Sprache nebeneinander stehen; auch wenn es gut gewesen wäre, wenn wirklich alle Textbestandteile auch ins Deutsche übersetzt worden wären.
Das Religionsbuch selber ist hervorragend auf Jugendliche abgestimmt und bietet mit einem bunten Foto-, Zeichnungs-, Abbildungs-, Lieder- und Textpotpourri vielfältige Möglichkeiten der konkreten Auseinandersetzung mit Religion. Die 13 Autorinnen und Autoren sparen dabei andere Religionen nicht aus, sondern vermögen sehr einfühlsam, diese neben dem Islam darzustellen.
In den einzelnen fünfzehn Kapiteln findet man neben den am Koran orientierten Glaubens- und Gottfragen unterschiedliche Stellungnahmen zu konkreten Ausdrucksformen muslimischen (und auch christlichen, jüdischen und anderen)Glaubens im Alltag.
Diese Kombination von Glaubens- und Lebensbezug entspricht derjenigen aus den Religionsbüchern, wie sie für den evangelischen bzw. katholischen Religionsunterricht verwendet werden.
So kommen Aufgaben vor, die sich am Selbst- und Fremdbild, an sozialen Bezügen (z.B. in der Familie) oder an Themen wie Frieden, Gerechtigkeit und Rituale orientieren.
Bei Themen, die häufiger im Alltag zu Diskussionen und Auseinandersetzungen mit Muslimen/-innen führen, wie beispielsweise Kopftuchtragen, Sexualität und Partnerschaftsformen, vermitteln die Autoren/-innen eher ein tolerantes, vielfältiges Bild, ohne aber gerade die beiden letztgenannten Themen näher anzugehen. Hier hätte man sich gewünscht, dass nicht nur z.B. Frauen mit und ohne Kopftüchern auf den Abbildungen gezeigt werden, sondern auch Partnerschaft, Gleichberechtigung und unterschiedliche Lebensentwürfe stärker thematisiert und diskutiert werden.
Die diversen Schüler/-innen-Aufträge haben vor allem die Begegnung und Auseinandersetzung im Blick. Ob nun ein interreligiöser Kalender gestaltet, eine Religionszugehörigkeits-Umfrage gemacht werden oder gar ein interreligiöses Fest organisiert werden soll: immer steht das aktive Tun, das genaue Erforschen und die konkrete Auseinandersetzung udn Begegnung im Vorder- und Mittelpunkt.
Sehr hilfreich ist das im Anhang eingefügte Lexikon, welches diverse Begriffe noch einmal konkreter beschreibt.
Preislich ist das Buch sehr günstig, so dass man davon ausgehen kann, dass es auch tatsächlich im schulischen Alltag Verwendung finden wird.
Die graphische Aufmachung ist äußerst gelungen und in Kombination mit dem sehr variablen Schriftbild vortrefflich.
Im Gesamten ist "Saphir" nicht nur ein Edelstein für den muslimischen Religionsunterricht, sondern zudem ein Meilenstein auf dem Weg der interreligiösen Verständigung. "Saphir" ist ein wunderbares Dialogangebot sowohl zwischen den Religionen als auch für eine transparente Unterweisung muslimischer Schülerinnen und Schüler in den Schulen Deutschlands.
"Saphir" ist nicht zuletzt ein Kommunikationsangebot, andere Wege der religiösen Unterrichtung und Begegnung zu beschreiten. Es baut Vorurteile ab und vermag den oftmals steinigen Weg der Verständigung zu einem Pfad zu machen, der von glanzvollen Begegnungsmomenten mit den Edelsteinen der verschiedenen Religionen gesäumt wird. Möge dieser Begegnungsbeginn in einem anerkennenden Miteinander münden!


kna/ Domradio.de, Köln 13.9.2008

„Gut gemacht“
Katholische Kirche begrüßt erstes islamisches Schulbuch
Die katholische Kirche hat die Herausgabe des ersten Schulbuchs für islamischen Religionsunterricht in Deutschland begrüßt. Das von 18 muslimischen Theologen und Lehrern erstellte Buch „Saphir“ aus dem Münchner Kösel-Verlag sei „gut gemacht“ und eine wichtige Grundlage für die Vermittlung des Islams in der Schule, sagte der Geschäftsführer der Fachstelle der Deutschen Bischofskonferenz für den christlich-islamischen Dialog (Cibedo), Peter Hünseler.
Nach Einschätzung des Islamwissenschaftlers und Theologen enthält das Buch keine Abwertung anderer Glaubensbekenntnisse. Es informiere auch über die Vielfalt und das Nebeneinander der Religionen in Deutschland. Bislang konnten sich Lehrer für Islam-Unterricht nur an einem Lehrplan orientieren und weitergehende Materialien in Fortbildungen erarbeiten. Das Fach wird bislang nur in Modellversuchen unterrichtet. Regulären islamischen Religionsunterricht gibt es in keinem Bundesland ...


Dr. Manfred Spieß, Universität Bremen, Institut für Religionswissenschaft / Religionspädagogik

Lesen Sie hier die ganze Rezension.


Lena Brochhagen, AP, 26.08.2008

Große bunte Bilder, einfache Texte und ein reicher Fundus an Sachwissen: «Saphir», das erste Schulbuch für den Islamunterricht wird ab Mittwoch erstmals an Schulen in Nordrhein-Westfalen, Bayern, Bremen und Niedersachsen eingesetzt. Fünft- und Sechstklässler sollen damit die Botschaft des Koran verstehen lernen. Islamunterricht gibt es bisher nur vereinzelt an deutschen Schulen, Vorreiter ist Nordrhein-Westfalen. Schon seit 1986 wird Islamkunde in dem bevölkerungsreichsten Bundesland angeboten, seit 1999 auch als eigenständiges Unterrichtsfach in deutscher Sprache. Rund 65 muttersprachliche Lehrer und 20 Islamwissenschaftler unterrichten nach Ministeriumsangaben etwa 8.000 Schüler an 120 Schulen. Bislang konnten sich die Lehrer für ihren Unterricht jedoch nur an einem Lehrplan orientieren und weitergehende Materialien in Fortbildungen erarbeiten. Das sei ein deutlicher Mangel gewesen, sagte «Saphir»-Mitherausgeberin Lamya Kaddor, die auch Islamkunde an einer Hauptschule in Dinslaken lehrt. «Lose Papiersammlungen ersetzen kein Schulbuch», betonte sie.

Buch als politisches Signal
Das Buch soll nach dem Willen der Herausgeber aber nicht nur den Unterricht erleichtern. «Das ist auch ein politisches Signal», sagte Kaddor. «Saphir» solle ein Zeichen setzen, um Islamunterricht als Schulfach christlichem Religionsunterricht gleichzustellen. Die bisherige Islamkunde sieht Kaddor als «Übergangsmodell». Islamunterricht wird bislang vor allem als Sachunterricht mit informierendem, neutralem Charakter erteilt. Anders als christlicher Religionsunterricht hat er damit keine Erziehungsfunktion. In Nordrhein-Westfalen laufen derzeit Verhandlungen, Islamunterricht auch in Form eines solchen Bekenntnisunterrichts anzubieten, sagte Schulministeriums-Sprecher Jörg Harm. Im März dieses Jahres hatten sich Bund und Länder mit muslimischen Verbänden auf der dritten Islamkonferenz in Berlin darauf verständigt, dass islamische Religion ordentliches Unterrichtsfach an deutschen Schulen werden soll. Allerdings erklärten sich nicht alle Bundesländer zur Einführung des Islamunterrichts bereit. Das Grundgesetz schreibt vor, dass Religionsunterricht «in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Religionsgemeinschaften erteilt» wird. Muslimische Verbände planen, Religionsgemeinschaften zu bilden. Deren Lehrinhalte und Lehrerausbildung müssen noch abgestimmt werden.

Positive Wirkung auf Integration
»Der Unterricht wirkt sich auf die Integration sehr positiv aus», sagte Corinna Fischer, Sprecherin des Kultusministeriums Niedersachsen. «Es zeigt muslimischen Schülern, dass sie ernst genommen werden», erklärte der nordrhein-westfälische Schulsprecher Harms. Islamkunde leiste außerdem einen Beitrag zur Aufklärung und Integration von Muslimen. Auch das erste Schulbuch für den Islamunterricht soll zeigen, was die christliche und muslimische Lebenswelt verbindet. So erklärt «Saphir» nicht nur die wichtigsten muslimischen Begriffe und Rituale, sondern gibt auch einen Einblick darüber, was es heißt, als Muslim in Deutschland zu leben. Zum Buchtitel heißt es im Vorwort: «Saphir 5/6 heißt es. Wie ein Edelstein soll es euch begleiten und seine kostbaren Seiten nach und nach zum Leuchten bringen.»


Dr. Manfred Spieß, für www.rpi-virtuell.net und www.diebruecke.uni-bremem.de

Ein religionspädagogisches Schmuckstück

Nach den interessanten Ankündigungen in Deutschlands Blätterwald im Sommer 2008 war bei mir schon die Spannung gewachsen. Was haben sich die islamischen Autorinnen und Autoren gemeinsam mit Fachkräften der islamischen Religionspädagogik wohl ausgedacht? Was wird hier anders sein als bei den zahlreichen christlichen Religionsbüchern, die mir bekannt sind? Welche Richtung des Islam wird denn hier vertreten sein? Welche Inhalte werden den Kindern in diesem Buch angeboten?
Nun liegt das neue Schulbuch „Saphir“ endlich auf meinem Schreibtisch. Schmuck kommt es daher, man spürt, es geht hier um etwas Kostbares. Das zeigt schon die ansprechende Aufmachung: Die fünfzehn Kapitel werden durch edelsteinähnliche kalligraphische Elemente gekennzeichnet, sie enthalten thematisch passende Qur’an-Verse in arabisch, mit deutscher Übersetzung. Kurze Impulssätze auf den Kapiteleinleitungsseiten wie „Einheit in Vielfalt“, „Wege zum Glück“ oder „Du bist ein Engel“ sind wohl als „Appetizer“ gedacht im Sinne von: „Darum geht es hier“. Sie sollen die Bedeutung des Themas in elementarisierter und eröffnender Weise zeigen.
Folgende Kapitelüberschriften kennzeichnen die Themen für das 5. und 6. Schuljahr:
(1) „Gott auf die Spur kommen“, (2) Glauben macht schön“, (3) „Geschöpf Gottes sein“, (4) „Gebet – mit Gott sprechen“, (5) „Engel sind überall“, (6) „Muhammad kam als Letzter“, (7) „Muhammad in Medina“, (8) „Vorbild sein – schaff ich das?“, (9) „Qur’an … hier entlang!“, (10) „Viele Bücher – auf ein Wort“, (11) „Gleiches Recht für alle!“, (12) „Gott im Gegenüber begegnen“, (13) „Am Frieden arbeiten“, (14) „In Deutschland leben“, (15) „Warum und wie wir feiern“.
Sehr schnell fällt mir auf: Im ganzen Buch wird nirgends das Wort „Allah“ für Gott verwendet! Damit hätte ich nicht gerechnet. Statt dessen wird konsequent die deutsche Bezeichnung „Gott“ geschrieben, aber jeweils mit einem kleinen arabischen Zusatz versehen, der die Ehrerbietung beim Gebrauch des Gottesnamens sichtbar zum Ausdruck bringt. Ähnlich wird verfahren bei der Nennung des Gesandten Muhammad. Die Leser des Buches werden im Vorwort darauf vorbereitet. Übrigens wird im Buch fast gar nicht von „Propheten“ gesprochen, auch die im Qur’an erwähnten biblischen Personen sind „Gesandte“.
In der Struktur sind die Kapitel ähnlich aufgebaut. Jedes Kapitel hat 5-6 Unterthemen, die überschaubar, meist nach dem Doppelseitenprinzip, gegliedert sind. Große Bedeutung wurde der Bildgestaltung beigemessen. Hier wechseln beeindruckende Kalligraphien von Qur’an-Worten ab mit schön gezeichneten Bildern (auch Bildergeschichten) und attraktiven Fotos. Zu den einzelnen Materialien findet man Arbeitsanregungen, die in vielfältiger Form das schulische Lernen strukturieren und bereichern können. Manchmal sind es Fragen und Erkundungsaufgaben, oft auch Impulse, die zu weiteren Ideen und Projekten führen können.
Je nach Thema ist der einzelne Schüler, die einzelne Schülerin Adressat der Aufgabe, oft ist auch die Klassen- und Schulgemeinschaft im Fokus.
Theologisch steht in diesem Buch für die Jahrgänge 5 und 6 die Gottesfrage am Anfang, es folgen die Themen Schöpfung, Gebet und Engel. Die Kapitel 6 – 10 stellen den Gesandten Muhammad vor und berichten über sein Wirken in Mekka und Medina. Es folgen zwei Kapitel über den Qur’an und die Schriften der verwandten Religionen Judentum und Christentum. Der dritte Teil des Buches ist besonders ethischen und sozialen Themen aus der Perspektive des Islam gewidmet.
Die Autorinnen und Autoren hatten bei diesem Werk implizit auch die große Vielfalt der muslimischen Kinder in unseren Schulen zu berücksichtigen. Schließlich gehören sunnitische, schiitische, alevitische und andere islamische Richtungen zur Zielgruppe. In den Geschichten und Situationsbeschreibungen werden die Herkunftsunterschiede nicht nivelliert. Auch hier wird der Blick auf das Gemeinsame und auf das Notwendige gerichtet.
Nicht alle Doppelseiten erschließen sich mir sofort. Für die Erarbeitung der Themen „Starke Frauen“ und „Kinder als Vorbilder“ ( S. 99/100) fehlen m. E. Konkretionen und Vertiefungen. Vielleicht kann da noch nachgebessert werden! Möglicherweise in unterrichtsergänzenden Materialien für Lehrkräfte.
Spaß macht es, mit den Formeln der christlichen und islamischen Zeitrechnung (S. 83) zu spielen. Eine gelungene Anregung! Das Lexikon am Schluss des Buches behandelt ausführlich Stichworte von „Auswanderung“ über „Engel“ bis zu „Wallfahrt“. Hier sind Möglichkeiten der Vertiefung gegeben. Lehrkräfte können diesen Materialfundus in unterschiedliche Arbeitssituationen einbeziehen. Die Impulse und Arbeitsanregungen sind differenziert und können situationsbezogen verwendet werden. Das Buch schreibt nichts vor, sondern regt an!
In den Erzählungen, Beispielen und Bildergeschichten wird erkennbar die Genderperspektive beachtet. Jungen und Mädchen kommen im Buch gleichberechtigt vor. Traditionsbedingte Schwierigkeiten in der Familie und Vorurteile im Umgang der Geschlechter miteinander kommen auch zur Sprache und werden altersgemäß und sensibel vom Qur’an bzw. von der Weisheit der Hadithen her erörtert. Ganz besonders fällt auf, dass Aspekte der Verantwortung füreinander und die Notwendigkeit des respektvollen und friedvollen Umgangs eine wichtige Rolle spielen. Die Autorinnen und Autoren machen so das religionspädagogische Anliegen deutlich: Glaube an Gott und eine entsprechende Lebenspraxis hängen untrennbar zusammen. Jedoch wird hier nicht der pädagogische Zeigefinger hervor geholt; vielmehr zielen die Beispiele und Anregungen auf Einsicht, Verständnis und persönliche Problemlösefähigkeit ( z.B. S. 104: „Den eigenen Weg finden“)
Das Schulbuch „Saphir“ malt dabei jedoch keine heile Welt. Alltagsprobleme der Schülerinnen und Schüler kommen zur Sprache, Situationen der Ausgrenzung und des Fremdseins werden an Beispielen erörtert, und Lösungsmöglichkeiten sollen gefunden werden. Dabei geht der Blick auch auf globale Probleme wie z.B. Hunger, Ungerechtigkeit und Krieg, die von zahlreichen Migrantenkindern häufig hautnah erlebt wurden.
Wie steht es mit den anderen Religionen in „Saphir“? An etlichen Stellen finden sich in Bildern und Texten Querverweise zum Judentum und zum Christentum, besonders bei den Schriften und den Berichten von den Gesandten. In religionskundlicher und interreligiöser Hinsicht sticht besonders Kapitel 14 hervor: „In Deutschland leben“. Religionsdiagramme, Bilder mit religiösen Symbolen und Anregungen für interreligiöse Kalender sind Beispiele des integrativen Ansatzes, der sich durch das ganze Buch zieht. „Glaube verbindet“ (vgl. 168 f), auch wenn viele Unterschiede da sind! Diese zu achten und doch auch zu Gemeinsamkeiten zu finden, ist eine zentrale Absicht des Buches, die klar „rüberkommt“.-
Zweiter Durchgang …, dritter Durchgang durch „Saphir“ … Ich hab’ sie immer noch nicht gefunden! … Wissen Sie, wonach ich lange gesucht habe? Nach einem Kapitel über die „Fünf Säulen des Islam“. Ich war es so gewohnt, dass unsere Religionsbücher immer wieder selbstverständlich die Fünf Säulen des Islam „rauf- und runterdeklinieren“. Sie mussten doch gerade in einem islamischen Religionsbuch zu finden sein! Schließlich entdeckte ich, dass den Autorinnen und Autoren hier etwas ganz anderes eingefallen ist: sie benutzen das Bild einer geöffneten Hand mit fünf Fingern (141). Passend zur Symbolik der Finger können sich die Schülerinnen und Schüler zwei Seiten zuvor mit der vielfältigen Tiefenbedeutung der Hände in unserem Alltag in Bildern und praktischen Übungen beschäftigen (S. 139). Das Thema heißt „Gottes Gebote beachten“. Fünf Schwerpunkte des Glaubens und der Glaubenspraxis werden sowohl in Bildern dargestellt, als auch in der Ich-Form beschrieben. Mir gefällt das lebendige Bild der Hand viel besser als die statische Wirkung von Säulen. Gottes Gebote sind so als Angebote zu verstehen, wie man als Muslim leben sollte: „Ich achte Gott, indem ich IHN anerkenne …“ (Glaubensbekenntnis); „Ich achte Gott, indem ich mich IHM anvertraue“ (Gebet) usw. - Die weiteren Entsprechungen finden Sie sicher selbst heraus!
An dem zuletzt genannten Thema wird beispielhaft deutlich, dass das neue Schulbuch „Saphir“ religionsdidaktisch äußerst sorgfältig angelegt ist. Die große Gruppe der muslimischen Schülerinnen und Schüler in Deutschland erhält hier ein wegweisendes Werk, das viel zur Verständigung, zur Bildung und zum interreligiösen Dialog beitragen kann. Neben der Verwendung in Gruppen und Klassen für den Islamunterricht kann ich mir gut vorstellen, dass auch evangelische und katholische Schülergruppen mit diesem Buch gewinnbringend in der Schule arbeiten können. Gemeinsame Unterrichtsphasen sind dann denkbar und tragen zur Verständigung bei. Religion kann man ja auch ein gutes Stück gemeinsam lernen. Mit solch einem Schmuckstück jedenfalls besonders gut!


www.interrel.de, Reinhard Kirste

Endlich! So möchte man sagen, denn mit Saphir 5/6 ist endlich ein Religionsbuch für islamische SchülerInnen der 5. und 6. Klasse auf dem Markt, das sich nicht nur sehen lassen kann. Vielmehr entspricht es den Standards, die mit den religionspädagogischen Konzeptionen in evangelischen und katholischen Religionsbüchern schon lange gesetzt sind.
Die in der Religionspädagogik ausgewiesenen drei HerausgeberInnen: Lamya Kaddor, Rabeya Müller und Harry Harun Behr haben zusammen mit einer Reihe von Fachleuten 15 Themen aufgearbeitet, die nicht nur didaktisch ein Wohltat sind, sondern auch dem interreligiösen Lernen vom Islam her im Blick auf Judentum und Christentum sachgemäß entsprechen. Es macht Freude, mit diesem Buch "Gott auf die Spur zu kommen", wie Kap. 1 bereits ankündigt.


Erste Stunde: Islam, sueddeutsche.de vom 18.08.08, von Julia Bönisch

"Saphir" ist arabisch und bedeutet Botschaft. "Saphir", so heißt auch das deutschlandweit erste Schulbuch für islamischen Religionsunterricht, das in diesem Schuljahr in Nordrhein-Westfalen eingesetzt werden soll. "Saphir" erklärt nicht nur die Botschaft des Koran, sondern sendet noch ein weiteres Signal: Muslimische Kinder in Deutschland haben ein Recht auf Religionsunterricht.
Doch so einfach ist es leider nicht. Ungelöste rechtliche, organisatorische und auch gesellschaftliche Fragen sorgen dafür, dass muslimische Schüler eben keinen Religionsunterricht haben, sondern lediglich "Islamunterricht in deutscher Sprache". Der sperrige Name signalisiert den Unterschied zum "normalen" Religionsunterricht für Katholiken oder Protestanten.
Informierender Sachunterricht statt Religion
Denn der Islamunterricht ist laut Lehrplan kein Religionsunterricht im konfessionellen Verständnis, sondern lediglich informierender Sachunterricht. Er erklärt "den Islam, knüpft dabei am islamischen Glauben der Schülerinnen und Schüler sowie der Lehrerinnen und Lehrer an und trägt somit zur Identitätsbildung der Schülerinnen und Schüler bei", so heißt es in den Leitlinien.
Mit "Saphir" werden im bevölkerungsreichsten Bundesland in diesem Schuljahr fast 11.000 Schüler und 141 Lehrer arbeiten. Auf etwa 200 Seiten erklärt das im Münchner Kösel Verlag erschienene Buch mit Lesegeschichten, Kalligraphien moderner Künstler und islamischen Miniaturen die islamische Welt, informiert über Gottesvorstellungen, Engel und Dschinn, über den Propheten Muhammad als Vorbild für Muslime und über den Koran.
Schulversuch als Behelfskonstrukt
Eine der Herausgeberinnen ist Lamya Kaddor. Die 30-jährige Islamwissenschaftlerin unterrichtet an einer Dinslakener Hauptschule. "Das Buch behandelt hauptsächlich islamische Themen, die alters- und fachgerecht erarbeitet worden sind. Darüber hinaus ist es auch interreligiös ausgerichtet.", erklärt Kaddor. "Wir wollen das Wissen, das viele Kinder von zu Hause mitbringen, thematisieren und erweitern." Kaddor will "Saphir" auch als Signal verstanden wissen, dass die Zeit des Behelfskonstruktes Schulversuch abgelaufen ist. "Wir brauchen endlich ordentlichen islamischen Religionsunterricht in Deutschland."
Dafür kämpfen Muslime in Deutschland schon lange: 1978 stellten sie den ersten Antrag, doch es musste 30 Jahre dauern, bis es nun überhaupt vernünftige Lehrmaterialien gibt. "Das liegt zum einen an der komplizierten Organisationsstruktur der Muslime in Deutschland", erklärt der Islamwissenschaftler Bülent Ucar. Denn laut Grundgesetz muss der Religionsunterricht in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Religionsgemeinschaften erteilt werden. Anders als christliche Religionsgemeinschaften sind die deutschen Muslime jedoch nicht zentral organisiert, sondern zersplittert - und können sich auf diese Grundsätze nicht einigen.


Stephan Leimgruber für Katechetische Blätter 3/2008

Der Kösel Verlag zeigt Mut, wenn er in Kooperation mit 18 islamischen Religionslehrerinnen und -lehrern die neue Religionsbuchreihe „Saphir“ eröffnet. Also kein ferngesteuerter türkischer Verlag und kein reicher Scheich zeichnen verantwortlich, sondern ein bewährter deutscher Lehrmittelverlag mit dem Schwerpunkt auf Werken für den christlichen Religionsunterricht! Projektgruppen aus Bayern, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen haben unter der Leitung von Lamya Kaddor, Rabeya Müller und Harry Harun Behr, unter kundiger schulbuchdidaktischer Beratung von OStD Haußsmann 15 Kapitel erarbeitet, die eine lebendige, multidimensionale, subjektorientierte Einführung in den Islam der 5./6. Jahrgangsklasse geben.
Welche Inhalte präsentiert das neue Lehrmittel, das mit prächtigen Kalligraphien, modernen Kunstbildern (z.B. von Paul Klee) und islamischen Miniaturen auf 192 Seiten vierfarbig ausgestattet ist? Es informiert zunächst über die islamische Welt, über Gottesvorstellungen, die 99 Namen Gottes, über Engel und Dschinn, über den Propheten Muhammad als Vorbild für Muslime und über den Koran. Vor den sog. Fünf Säulen steht das leibhaftige Gebet („mit Kopf, Herz und Hand“, S. 52) im Vordergrund, die Pilgerfahrt nach Mekka im Hintergrund. In didaktischer Hinsicht entdecke ich eine Mischung von „mitteleuropäischer“, diskursiver und auf Reflexion angelegtem Lernen und von einführenden Elementen in die islamische Frömmigkeitspraxis, gleichsam eine „islamische“ performative Didaktik des Zeigens religiöser Vollzüge. Diese Mischung wird nicht anders zu machen sein, handelt es sich doch weder um ein Lehrmittel für Koranschulen noch um ein Lehrbuch für gymnasiale Leistungskurse.
„Saphir 5/6“ führt in interreligiöses Denken ein, beispielsweise durch einen multireligiösen Festkalender. Es situierte den Islam im Kontext des Christentums und anderer Religionen; und es zeigt gleichzeitig die tiefen Glaubensüberzeugungen der Muslime. Dank seinem didaktischen Geschick, das an die bekannten Reli-Bücher (mit Lexikon) erinnert, eignet es sich nicht nur für junge Muslime im deutschsprachigen Raum, sondern auch für die 7. Jahrgangsstufe des christlichen Religionsunterrichts, in dem eine Einführung in den Islam für christliche Kinder und Jugendliche vorgesehen ist.
Drei kritische Bemerkungen zu „Saphir 5/6“: Wenn man den Islam als Religion des Friedens darstellt und als Bild Solingen (1993) zeigt, müsste man auch ein Bild vom 11. September 2001 zur Diskussion stellen, um nicht einseitig einen „weichen“ Islam vorzustellen. Dann ist es für die HerausgeberInnen und die AutorInnen weitgehend selbstverständlich, dass der Koran übersetzt und interpretiert werden darf und soll. Dies entspricht nicht dem allgemeinen Koranverständnis der verschiedensten muslimischen Denominationen und dürfte auf islamische Kritik stoßen. Drittens soll der Koran als „Verkehrsschild“ und Orientierungshilfe dienen, um „den eigenen Weg zu finden“ (S. 104). Dies scheint mir ein zu individualistisches Lernziel in der Nachfolge Kants zu sein, das mit dem auf Gemeinschaft abhebenden Islam zumindest in großer Spannung steht. Dennoch möchte ich dem Verlag zu diesem „Vorzeigewerk“ mit Schrittmacherfunktion gratulieren. „Saphir“ wird zweifellos die Diskussion um eine islamische Didaktik anregen, zur religiösen Identität junger Muslime wie auch zum christlichen Verständnis des Islams beitragen.


Dr. Johannes Lähnemann,

Dieses Religionsbuch stellt einen Durchbruch dar – nach nahezu 30 Jahren Bemühung um islamischen Religionsunterricht:
• endlich ein Buch authentisch von muslimischen Autorinnen und Autoren, in deutscher Sprache, für junge Musliminnen und Muslime deutscher Nationalität und aus den verschiedenen Herkunftsländern,
• ein Buch auf der Basis des deutschen Grundgesetzes, das die Prinzipien der Religionsfreiheit und der Gleichberechtigung der Geschlechter ernst nimmt,
• ein Buch, das den Islam sowohl traditions-verpflichtet als auch zeitgemäß darbietet, in verantwortlich elementarisierter Weise,
• ein Buch voll lebendiger Pädagogik: nah an den Erfahrungen und Fragen der Schülerinnen und Schüler, mit qualitätvollen Bildern, informativen und diskussionsoffenen Texten sowie vielen Anregungen zu Eigenarbeit und Projekten,
• ein Buch, das in der Nachbarschaft von christlichem, jüdischem Religionsunterricht und Ethikunterricht entwickelt wurde und einen eigenständigen Beitrag in diese Fächergruppe einbringt. Der interreligiöse Ausblick ist konstitutiv für die verschiedenen Thematiken. Entsprechende Passagen wurden von jüdischer und christlicher Seite gegengelesen.
Das Buch ist offen für den Gebrauch in religionskundlichen wie in konfessionsbezogenen Formen schulischen Islamunterrichts. Es zeigt gleichzeitig der deutschen Öffentlichkeit, wie ein integrationsfähiger Islam in Deutschland Gestalt gewinnen kann.


Hélène Kohl, in: Dernieres Nouvelles d’Alsace, 27.08.2008

Mahomet au programme
L'Allemagne a longtemps traîné les pieds pour proposer des cours d'islam à l'école publique. Plusieurs régions d'Allemagne initient le mouvement à cette rentrée, pour les élèves de CM1-CM2.

Le manuel est prêt pour la rentrée des classes. Demain, il sera distribué à 11 000 élèves de Rhénanie du Nord-Westphalie (NRW), de Bavière, et de Basse-Saxe dont les parents ont choisi l'option cours d'islam.
A la table des matières de ce livre scolaire de 200 pages, on trouve des chapitres sur la calligraphie arabe, sur l'histoire de la religion et sa géographie. Sur la couverture, le titre Saphir, ce qui signifie « message » en arabe. Mais ce n'est pas le message du Coran qui sera délivré aux élèves. Il ne s'agira pas pour les 141 professeurs de donner un cours de religion, au sens confessionnel du terme, mais d'éclairer les élèves sur l'islam d'aujourd'hui. « Aux élèves d'apporter leur propre savoir depuis leur foyer, explique l'enseignante Lamya Kaddor. A nous de le mettre en perspective. »
« Le cours d'Islam va renseigner les élèves sur eux-mêmes, mais également s'assurer qu'ils s'identifient avec l'Allemagne d'aujourd'hui », complète l'islamologue Bülent Ucar. D'ailleurs, l'intitulé officiel de la discipline le mentionne expressément : « Cours d'islam en langue allemande ».
Ainsi, la religion musulmane rejoint la caste des religions enseignées à l'école publique, comme la chrétienté, le bouddhisme ou le judaïsme. Mais le « cahier des charges » impose spécifiquement aux enseignants de la discipline un respect de la constitution, comme l'égalité des hommes et des femmes face à la loi.
Longtemps restée voeu pieu, l'introduction de la religion de Mahomet au programme scolaire sera ainsi désormais au programme des écoles publiques. Les questions scolaires sont de la compétence des Länder en Allemagne. Précurseur de ce mouvement : la Rhénanie qui propose depuis vingt ans une sensibilisation à la religion musulmane, mais sans que celle-ci ne s'inscrive réellement au programme scolaire.

« Concurrencer les prédicateurs de la haine »

Un projet-pilote guidé par la volonté de résoudre la question ! cruciale de l'intégration, dans ce Land où vivent un million de musulmans. En moyenne, en Allemagne, seulement un jeune d'origine étrangère sur douze a son bac, contre un jeune Allemand « de souche » sur trois. Avec cette initiative, l'objectif est de diviser par deux le nombre de jeunes immigrés quittant le système scolaire sans aucune qualification.
L'autre ressort tient de la volonté des autorités de ne pas laisser l'enseignement de la discipline aux mains du clergé musulman, professé par des imams quasi-exclusivement formés à l'étranger. Ce qui a donné lieu dans le passé, au sein des écoles privées, à des dérives menant à l'islamisme.
L'intérêt de l'introduction d'un islam ouvert et sécularisé dans les classes de CM1-CM2 avait été souligné par les participants à la grande conférence sur l'islam en mars dernier. La réunion, présidée par le ministre de l'intérieur avait mis en exergue le rôle de « concurrent des prédicateurs de la haine » que doivent exercer ces co! urs, comme l'avait déclaré Wolfgang Schäuble.
Ce mouvement, les représentants de la communauté musulmane l'appellent de leurs voeux depuis trente ans. Reste le problème de la formation des enseignants : seules trois universités allemandes proposent la discipline dans leur cursus.

 
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Prof. Dr. Peter Graf aus Osnabrück (13.02.2009)

Das neue Lehrwerk Saphir dokumentiert in eindrucksvoller Form, dass der islamische Religionsunterricht gleichrangig und mit vergleichbarer didaktischer Kompetenz wie sonstige Fächer unterrichtet werden kann. Alle Zwischenformen "Ethik mit Schwerpunkt Islam ", "Islamkunde" werden durch das neue Lehrwerk zu dem, was sie immer waren: vorläufige Integrationsmaßnahmen.
In besonderer Weise möchte ich den AutorInnen gratulieren zur Entscheidung, Gott mit der Übersetzung von ‚Allah’ aufzurufen, also in unserer gemeinsamen Sprache von dem einen ‚Gott’ zu sprechen , wie Christen von Allah sprechen, wenn sie im arabischen Raum über Gott reden. Darin liegt eine interreligiös höchst bedeutsame Entscheidung; denn nicht nur die Muslime, auch die Christen werden so eingeladen, innerhalb einer Schule zu lernen, wie verschieden und dennoch bedeutsam man mit dem Wort ‚Gott’, den niemand zu fassen vermag, als Gläubiger umgehen kann und muss.
Mit meinen besten Wünschen für den Erfolg des neuen Lehrwerks Saphir,

 

 
 

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